Er befürwortete einen
erhaltenden Ansatz, wobei sowohl die Verkleidung, das Mobiliar sowie das
Westportal erhalten bleiben sollten. "Damit man sich von der
Innen-architektur ein Bild machen kann, wäre ich nötigenfalls damit
einverstanden, daß im nördlichen Seitenschiff eine Seitenkapelle sowie eine
Fläche des Mittelschiffes in ihrem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt
werden", lautete seine Empfehlung. Die Provinzabteilung und der zentrale
Königliche Ausschuß trieben zu der Zeit ein intensives Katz-und-Maus-Spiel,
das für die im Verfall begriffene Kirche allerdings nicht sehr hilfreich war.
Schließlich entschied man
sich für eine Restaurierung der mittelalterlichen Kirche, wobei man nach der
Entfernung der kompletten barocken Innenverkleidung, wie sie im 14.
Jahrhundert war (zu dem Zeitpunkt bereits ein Konglo-merat von
aufeinanderfolgenden Bauabschnitten), die Kirche in ihrer Rohbauform
präsentierte.

Die Kirchenbesucher
können heute mit einigen Aus-nahmen mit dieser Arbeitsweise gut leben. Wecken
die Rohsteine nicht die zur Einkehr auffordernde Urform des Gebetshauses?
Läuft die Verleugnung aller barocken Verzierungen nicht parallel mit der
zögernden Erneu -erung seit dem jüngsten vatikanischen Konzil und dem Drang
nach mehr Schlichtheit gegenüber der früheren Prunksucht? Es gibt jedoch mehr. Durch das Anbieten eines Zustandes
- auch wenn sich dieser historisch nie ereignet hat - erhält das restaurierte
Kirchenchor einen gesonderten Erkennungswert: Man fühlt sich mit dieser
Aussicht verbunden, allein schon weil es sie sonst nirgendwo gibt. Allgemein
wird die Serenität dieses frommen Raumes gegenüber der geschäftlichen
Hektik um den Kornmarkt gepriesen; zwischen diesen, von Verzierungen befreiten
Mauern kann man die Tür des regen Stadtlebens eben hinter sich schließen...
Aber was für eine
Dualität! Die Barockaltäre und das barocke Kirchenmobiliar, die Gemälde,
die Vertäfelungen, die Lesepulte, die Armleuchter, die je die katholische
Erweckungsbewegung beseelt haben und jetzt hoff-nungsvoll nach einer
Restaurierung aussehen, können diese Enthaltsamkeit lediglich belasten. Mit
kleinen Schritten kehren sie aus der Verbannung zurück und fühlen sich in
ihrer neuen Umgebung eher verstoßen als gewünscht.
Glattpolierte
Marmortäfelungen sowie Epitaphe, barocke Nischenaltäre und zierlich
ausgearbeitete Register werden verwaist auf ein rauhes Posament sowie auf eine
Ebene, auf der sie sich nie befunden haben, projiziert.
Gewollte Proportionen und
Lichteffekte gehen dadurch verloren. Die Verzierungen der Chorabschlüsse und
Kommunionsbänke paßten nicht mehr zu den breiteren Säulensockeln. Von der
so gepriesenen Integration der plastischen Künste, wobei Architektur,
Malerei, Bild-hauerei, Dekoration- und Verzierungskunst im Stil unlöslich
ineinanderflossen, blieb nicht mehr viel übrig.
Als Kompromiß kann man
lediglich noch aus den Seitenkapellen barocke Ensembles bilden, indem das
Mobiliar gegen, durch Fugenarbeit "neutralisierte" Wände dargeboten
wird. Kein vernünftig denkender Mensch könnte jetzt noch dazu gebracht
werden, die gewaltige Baustruktur des Chorinneren, wo verschwun-dene und
beschädigte Natursteinblöcke liebevoll und fachkundig ersetzt und eingepaßt
wurden, mit einer glättenden Putzschicht zu verkleiden. Dies würde - neben
einer unsagbaren Verschwendung von Gemeinschafts-mitteln - die Verleugnung
eines jahrelangen Einsatzes und gutgemeinter Fachkenntnis bedeuten.