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Bei
der Restaurierung des Chores wurden auch die Optionen für die Restaurierung
der Unterkirche festgelegt. Die Option für einen ausgesprochen archäologischen
Ansatz, wobei die Kirche auf ihr mittelalterliches Erscheinungsbild zurückgebracht
wird, erfordert eine konsequente Haltung. Obgleich man auch heute eher zu
einem erhaltenden Ansatz tendiert, wird man, was das Kirchenschiff
betrifft, notwendigerweise die Auffassungen der 60er Jahre fortsetzen müssen.
Durch
die Absenkung des Fußbodenniveaus konnten nicht nur an der Außenseite,
sondern auch im Inneren, die ursprünglichen Fensterproportionen mit
ihrem Maßwerk in Doorniker Kalkstein rekonstruiert werden. An der Südseite,
die Seite der Katalonienstraße, ist dies die logische Fortsetzung des
Chorgiebels. Etwas schwieriger ist es an der Nordseite, da die kleinen Häuser
entlang Klein Türkei, die seit dem 17. Jahrhundert an die zugemauerten
Fensteröffnungen anlehnten, als denkmalschutzwürdig betrachtet
werden und daher neu gebaut werden müssen.

Diese
kleinen Häuser bilden die einzige Reminiszenz an die Zeit, wo die Kirche
vollständig zwischen Privatwohnungen eingemauert war. Ausgehend von
dem Plan des Ingenieurs Eduard Zollikofer und des Architekten Edmond de
Vigne, Freigelegte Spuren Triforium Kirchenschiff. Der Plan
Zollikofer de Vigne der einen breiten Verbindungsweg zwischen dem Südbahnhof
und dem Stadtkern (1882 - 1888) vorsah, wurden die drei Türme von ihren
parasitären Anbauten befreit. Dieser flankierende Boulevard erhielt
1912 auf Anregung des Premierministers Paul de Smet de Naeyer - der
selber Genter war - noch einen Ausläufer durch den Bau einer monumentalen
Bogenbrücke über die Leie: dadurch entstand vom Sankt-Michiels-Hügel
eine einmalige Aussicht auf die Türmenreihe. Die Stadtarchitekten der
Jahrhundertwende haben nie gedacht, daß die städtebauliche Isolierung
der drei Türme ab den 60er Jahren durch den zunehmenden Verkehrsdruck zu
verwaisten Verkehrsinseln herunterkommen würden. Im Rahmen der Stadtkernerneuerung
versucht man nun, diese Denkmäler innerhalb verkehrsfreier Zonen den Fußgängern
zurückzugeben.
Da die Dachfirste
der kleinen Häuser entlang Klein Türkei über die restaurierten
Fensterrahmen hinausragen werden, müssen die Dächer derartig rekonstruiert
werden, daß der Lichteinfall in der Kirche an dieser Nordseite gewährleistet
ist.
Genau
wie im Chor wird die dicke Putzschicht aus den Jahren 1750, als auch der
Fußboden erhöht wurde, entfernt. Diese Putzschicht diente ca. 2 1/2
Jahrhunderte als Tarnschicht: Sie verwischte die Spuren des baulichen
Verfalls, verdeckte die aus Standsicherheitsgründen zugemauerten
Oberlichter und Triforium und nicht zuletzt auch die breiten Risse und
baulichen Verkrüppelungen. Gleichzeitig war es eine preiswerte Möglichkeit,
den neuen Geist, der unter dem Einfluß der Gegenreformation durch die
Kirchen Flanders wehte, materiell umzusetzen. Die neue Architekturvision
war die des Barocks und auch vorhandene Kirchengebäude mußten mit
beschränkten finanziellen Mitteln darauf abgestimmt werden. Dies
erfolgte an der Außenseite der Sankt-Nikolaus-Kirche durch zwei -
mittlerweile abgerissene - Eingangsportale des Querschiffes und das monumentale
Westportal.
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Gerade dieses Westportal stellte bei den
Restaurierungsauffassungen ein Hindernis dar. Aus der archäologischen Untersuchung
ging hervor, daß die halberhöhten Bildhauerarbeiten des ursprünglich
gotischen Portals in den barocken Torbogen eingemauert waren; überdies wurden
ausreichende Ansätze und Niveauspuren wiedergefunden, um einen Wiederaufbau zu
vertreten. Wegen des erhaltenden Ansatzes entschied man sich jedoch für den
Erhalt des jetzigen Portals. Die wiedergefundenen Reliefs werden zusammen mit
zahlreichen archäologischen Funden, die bei der Fußbodenabsenkung in der Füllschicht
wiedergefunden wurden, in Museumssammlungen vorgestellt werden. |
Die
Akte für die Restaurierung der Unterkirche mußte aus Haushaltsgründen
in sechs Abschnitte aufgeteilt werden. Es war undenkbar, den Gesamtbetrag
in einem Haushaltsjahr festzulegen, da sonst die verfügbaren Stadt-
und Kirchenkredite der verschiedenen Genter Pfarreien fast vollständig
in dieses eine Projekt geflossen wären. In einem ersten Abschnitt wurde
die Dachstuhlkonstruktion und die Dachabdichtung des Mittelschiffes
durchgeführt. Der zweite und dritte Abschnitt umfaßten die Restaurierung
der Oberlichter und Triforia der jeweiligen Süd- und Nordseite. Im
vierten und fünften Abschnitt wurden die südlichen und nördlichen
Seitenschiffe in Angriff genommen. Für den sechsten Abschnitt war die
Restaurierung des Westportals vorgesehen sowie die Rekonstruktion des
Doxals und die Innenarbeiten.
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