Das Kirchenschiff

  1988 -

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Erste Pläne

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Bei der Restaurierung des Chores wur­den auch die Optionen für die Restaurie­rung der Unterkirche festgelegt. Die Option für einen ausgesprochen archäo­logischen Ansatz, wobei die Kirche auf ihr mittelalterliches Erscheinungsbild zurückgebracht wird, erfordert eine konsequente Haltung. Obgleich man auch heute eher zu einem erhalten­den Ansatz tendiert, wird man, was das Kirchenschiff betrifft, notwendigerweise die Auffassungen der 60er Jahre fort­setzen müssen.

Durch die Absenkung des Fußboden­niveaus konnten nicht nur an der Außenseite, sondern auch im Inneren, die ursprüng­lichen Fenster­proportionen mit ihrem Maßwerk in Doorniker Kalkstein rekonstruiert wer­den. An der Südseite, die Seite der Katalo­nienstraße, ist dies die logische Fort­setzung des Chorgiebels. Etwas schwie­riger ist es an der Nordseite, da die kleinen Häuser entlang Klein Türkei, die seit dem 17. Jahrhundert an die zuge­mauerten Fensteröffnungen anlehn­ten, als denkmalschutzwürdig betrach­tet werden und daher neu gebaut wer­den müssen.

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Diese kleinen Häuser bilden die einzige Reminiszenz an die Zeit, wo die Kirche voll­ständig zwi­schen Privatwohnungen eingemauert war. Ausgehend von dem Plan des Ingenieurs Eduard Zollikofer und des Architekten Edmond de Vigne, Freigelegte Spuren Triforium Kirchen­schiff.  Der Plan Zollikofer de Vigne der einen breiten Verbindungsweg zwischen dem Südbahnhof und dem Stadtkern (1882 - 1888) vorsah, wur­den die drei Türme von ihren parasitä­ren Anbauten befreit. Dieser flankie­rende Boulevard erhielt 1912 auf Anre­gung des Premierministers Paul de Smet de Naeyer - der selber Genter war - noch einen Ausläufer durch den Bau einer monumentalen Bogenbrücke über die Leie: dadurch entstand vom Sankt-Michiels-Hügel eine einmalige Aussicht auf die Türmenreihe. Die Stadtarchitek­ten der Jahrhun­dertwende haben nie gedacht, daß die städtebauliche Isolie­rung der drei Türme ab den 60er Jahren durch den zunehmenden Verkehrsdruck zu verwaisten Verkehrsinseln herunter­kommen würden. Im Rahmen der Stadt­kernerneuerung versucht man nun, diese Denkmäler innerhalb verkehrs­freier Zonen den Fußgängern zurück­zugeben.

Da die Dachfirste der kleinen Häuser entlang Klein Türkei über die restaurier­ten Fensterrahmen hinausragen werden, müssen die Dächer derartig rekonstru­iert werden, daß der Lichteinfall in der Kirche an dieser Nordseite gewährleistet ist.

Genau wie im Chor wird die dicke Putz­schicht aus den Jahren 1750, als auch der Fußboden erhöht wurde, ent­fernt. Diese Putzschicht diente ca. 2 1/2 Jahrhunderte als Tarnschicht: Sie ver­wischte die Spuren des baulichen Ver­falls, verdeckte die aus Standsicher­heitsgründen zugemauerten Oberlichter und Triforium und nicht zuletzt auch die breiten Risse und baulichen Verkrüppe­lungen. Gleichzeitig war es eine preis­werte Möglichkeit, den neuen Geist, der unter dem Einfluß der Gegenreformation durch die Kirchen Flanders wehte, materiell umzusetzen. Die neue Archi­tekturvision war die des Barocks und auch vorhandene Kirchengebäude muß­ten mit beschränkten finanziellen Mit­teln darauf abgestimmt werden.  Dies erfolgte an der Außenseite der Sankt-Nikolaus-Kirche durch zwei - mittlerweile abgerissene - Eingangs­portale des Querschiffes und das monu­mentale Westportal. 

Gerade dieses Westportal stellte bei den Restaurierungsauffassungen ein Hinder­nis dar. Aus der archäologischen Unter­suchung ging hervor, daß die halb­erhöhten Bildhauer­arbeiten des ursprünglich gotischen Portals in den barocken Torbogen eingemauert waren; überdies wurden ausreichende Ansätze und Niveauspuren wiedergefunden, um einen Wiederaufbau zu vertreten. Wegen des erhaltenden Ansatzes ent­schied man sich jedoch für den Erhalt des jetzigen Portals. Die wiedergefunde­nen Reliefs werden zusammen mit zahlreichen archäologischen Funden, die bei der Fußbodenabsenkung in der Füllschicht wiedergefunden wurden, in Museumssammlungen vorgestellt werden.

Die Akte für die Restaurierung der Unterkirche mußte aus Haushaltsgrün­den in sechs Abschnitte aufgeteilt wer­den. Es war undenkbar, den Gesamt­betrag in einem Haus­haltsjahr festzule­gen, da sonst die verfügbaren Stadt- und Kirchenkredite der ver­schiedenen Genter Pfarreien fast vollständig in dieses eine Projekt geflossen wären. In einem ersten Abschnitt wurde die Dach­stuhlkonstruktion und die Dachabdich­tung des Mittelschiffes durchgeführt. Der zweite und dritte Abschnitt umfaß­ten die Restaurie­rung der Oberlichter und Triforia der jeweiligen Süd- und Nordseite. Im vierten und fünften Abschnitt wurden die südlichen und nördlichen Seitenschiffe in Angriff genom­men. Für den sechsten Abschnitt war die Restaurierung des Westportals vorgesehen sowie die Rekonstruktion des Doxals und die Innenarbeiten.